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Portraits von ehrenamtlichen Helfern und Flüchtlingen

Das Thema Flüchtlinge bewegt viele. Doch wer sind die eherenamtlichen Helfer und was für Schicklsalsschläge habe die Flüchtlinge erlebt? Lesen Sie hier einige Beispiele, die wir in loser Folge veröffentlichen.

   

Heba: "Sie lieben Deutschland so sehr!"
16.09.2016 20:39 (777 x gelesen)


FlüchtlingsbootDie 29jährige Syrerin Heba ist viel unterwegs in Angermund – schon oft haben wir uns auf der Straße getroffen, zum Beispiel wenn sie ihre Tochter in die Kita bringt. Rafif (5) und Mohammad (9) „lieben es hier so sehr, they love Germany“, sagt Heba. Ihre zwei Kinder sind 2013 mit ihr und ihrem Mann von Damaskus nach Deutschland gekommen – via Ägypten und Italien. 13 Tage saß die Familie unter Deck in einem Boot. Ihre 1. Station bei uns: Bochum. Nun leben sie hier bei und mit uns in Angermund. Sie haben es sehr gut angetroffen – doch viele Fragen bleiben.

Ich treffe Heba bei Kamps, ich möchte mit ihr sprechen, um sie hier vorzustellen. Zusammen mit ihrer ganzen Familie hat sie zwischendurch in Ägypten gelebt. Heba hat fünf Geschwister, „drei boys, drei girls“. Eine Schwester ist auch in Deutschland, sie lebt bei Saarbrücken.

Sofort lädt sie mich in ihre Wohnung ein, es sind nur wenige Schritte bis dorthin. So habe ich die Gelegenheit, gleich die ganze Familie kennenzulernen – Mohammad hat Schulferien, er bekommt Besuch von Kerstin Janssens, zum Deutsch und Mathe üben. Freudestrahlend zeigt er uns später seine neuen Rechenaufgaben. Und auch die anderen lernen: Heba und ihr Mann in Sprachkursen, die Jüngste im Kindergarten. Sie wissen nur zu gut, dass dies der Schlüssel für eine gute Integration ist.

„We lost everything“

Unser Gespräch geht uns beiden sehr nah, natürlich schmerzen die alten Erinnerungen trotz räumlicher und zeitlicher Distanz: „We lost everything. Wir haben mitten in Damaskus gelebt.“ Da steht heute ... nichts mehr? Zögerlich, oft stocken auch mir die Worte, versuche ich zu verstehen, was Heba erlebt hat. Ich versuche zu trösten, wenn die Tränen kommen. Und brauche auch selbst immer wieder ein Tempo. Oft nutzen wir ihr Handy, um Familienbilder anzuschauen. Aktuelle natürlich, denn auch die alten sind alle weg. Kein einziges Baby-Foto ist geblieben. Oder das Haus, in dem sie lebten – alles bleibt Erinnerung, es wird nie wieder so sein wie es war. Heba und ihre kleine Familie sind heute hier sicher, sie sind in Angermund sehr gut aufgenommen worden.

Heba betont das oft und manchmal fast überschwänglich. Eng ist sie zum Beispiel mit Miriam Fechner verbunden, die sie als „meinen Engel“ beschreibt. Ihre Motivation ist grundlegend positiv, sie versucht neue Freundinnen zu finden, arbeitet an der deutschen Sprache. Aber ich kann sie so gut verstehen, wenn sie sagt: „Es ist so schwer alles Neue und Alte zu verarbeiten.“ Manchmal denkt sie, es geht nicht alles in ihren Kopf rein. Und ich denke: Wie schwer muss es sein, den Ausbruch des Krieges, den Zerfall, dann die Flucht erlebt zu haben? Die Eltern und andere Familienmitglieder weit weg zu wissen, nicht wirklich wissend, wie es ihnen geht? Und immer wieder genug Motivation zu sammeln, um hier eine neue Perspektive aufzubauen?

Heba, was gefällt Dir in Angermund besonders? „Wir sind so nett aufgenommen worden. Vor allem viele Frauen meinen es so gut mit uns. Kerstin ist wie Familie für mich oder Miriam, mein Engel.“

Was machst Du am liebsten (Hobbies)? „Ich liebe Sport, vor allem Schwimmen, früher in Damaskus hatten wir ein kleines farmland, mit pool... Und mein Fahrrad ist so toll!“

Wo liegen Deine Stärken, was kannst Du besonders gut? “Ich bin immer aufgeschlossen für Neues, ich liebe es zu kommunizieren.“

Und Du kannst sicher gut organisieren, sage ich, wissend dass sie die Flucht geplant hat. „Ja, planen mache ich auch gern“, sie lächelt: „Mein Mann sagt manchmal, you don’t have to be the Boss all the time...“ Wir lächeln beide...

Was wünschst Du Dir am allermeisten? „Dass wir Arbeit finden. I don’t want to be a loser here... Und Zukunft für unsere Kinder, sie sind so stark schon jetzt in German. Dass mein kleiner Bruder hierher kommen und studieren kann. Ich vermisse ihn so, und dass ich meine ganze Familie, die zurück geblieben ist in Ägypten, unterstützen kann. Wir haben immer zusammen gelebt, jetzt sind wir auseinander gerissen. Mein Herz ist so gebrochen... ich möchte so gern weiter kommen!“

Wenn Du frei entscheiden könntest, was würdest Du in puncto Integration anders machen, was wie verändern? „Viele von uns, die hierher gekommen sind, brauchen Unterstützung in Form von einem Aufrütteln. Wake up! Dass sie raus kommen, motiviert werden weiter zu kommen.“

Text: Elke Tonscheidt


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