*
head-links
blockHeaderEditIcon
Home  |  Impressum - Datenschutz  Sitemap  Login  |
top-logo
blockHeaderEditIcon
menu1
blockHeaderEditIcon
top-1
blockHeaderEditIcon
portraits-top
blockHeaderEditIcon

Portraits von ehrenamtlichen Helfern und Flüchtlingen

Das Thema Flüchtlinge bewegt viele. Doch wer sind die eherenamtlichen Helfer und was für Schicklsalsschläge habe die Flüchtlinge erlebt? Lesen Sie hier einige Beispiele, die wir in loser Folge veröffentlichen.

   

„Hasib will richtig was schaffen“
22.11.2016 13:59 (1019 x gelesen)


Vahidin Murathodzic ist in Angermund einer, den man kennt. Zumindest „vom Sehen“. Viele essen sogar das, was er auf den Ladentisch bringt. Denn Dino, wie er sich verkürzt nennt, leitet seit 2011 die KAMPS-Filiale. „Ach der, na klar“, denken Sie jetzt vielleicht. Und fragen sich gleichzeitig: „Aber was hat er mit Flüchtlingen zu tun?“

Dino am BlechViel, momentan noch viel mehr. Nun spielt Dino keine zentrale Rolle im engen Kreis der Angermunder Flüchtlingshilfe; er ist aber stets ansprechbar für Wünsche, die er erfüllen kann. Und: Vielleicht haben Sie beim Brötchenkaufen gesehen, dass mittlerweile ein ‚dunklerer Typ’ in Dinos Team mit mischt? Einer, der vor allem in der Backstube mit hilft; einer, der sich Anfang 2016 ganz allein auf den Weg nach Deutschland macht, Hasib heißt und nun fast täglich in Angermund arbeitet.

Wie Dino und Hasib sich kennenlernten

Denn Hasib, erst 16 Jahre alt, hatte Glück. Durch die Vermittlung einer Kundin machen er und Dino Bekanntschaft. Vereinbaren ein Praktikum. Dino lernt Hasibs Qualitäten kennen: „Der Junge zieht, macht mit, der will richtig was schaffen.“ Dino beschließt Hasib zu fördern. So absolviert der junge Mann, dessen gesamte Familie zurück in Kabul bleiben musste, in der Angermunder KAMPS-Filiale nun eine sogenannte „Einstiegsqualifikation“. Schafft er diese, kann das Jahr auf die dreijährige Ausbildungszeit angerechnet werden.

Hasib ist darüber sehr glücklich: Über Dinos Vertrauen, aber auch darüber, dass er seinem Vater nacheifern kann, der in Afghanistan selbst Bäcker war; von ihm erlernte er das Rüstzeug für diesen Job. „Er hat ein gutes Gespür für Teig“, bestätigt Dino.

Wie ist es, sein Land verlassen zu müssen?

Dino kann sich sehr gut in Hasib hinein versetzen. Wie das ist, sein Land zu verlassen; wie sich das anfühlt, in der Fremde mutterseelenallein etwas aufzubauen. Wie man ackern und mutig sein muss. All das, sagt Dino, treffe auf Hasib zu. Wird Hasib schräg angeschaut, trifft das nicht nur den Jungen...

Dino ist ein Mann der Tat, einer der ackern kann. Der 47jährige schließt meist morgens bereits gegen halb vier die Ladentür auf. Und nur 18 Tage hat er seine Filiale im Frühjahr 2016 schließen müssen, um sie zu einem attraktiven Café zu machen. So schnell ging das, wundere ich mich...  „Ja,“ lacht Dino, „ich liebe es mit an zu packen!“ Aber auch KAMPS selbst, vergisst Geschäftsmann Dino nicht zu verschweigen, habe viel beigetragen, um diesem Stadtteil dadurch mehr Modernität zu verleihen.

Es ist 1992, als Dino, heute zweifacher Familienvater und seit 17 Jahren bei der Bäckereikette KAMPS aktiv, nach Deutschland kommt. Aus Bosnien. Direkt aus der Region, die wenige Jahre später traurige Berühmtheit erreichte, weil sich in Srebrenica das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des 2. Weltkriegs abspielte.

„Ich weiß genau, wie das war“

Dino war damals ein paar Jahre älter als Hasib bei seiner Flucht. Und er wird die Situation nie vergessen. „Ich weiß genau, wie das früher bei mir war und wie es für Hasib jetzt ist.“

Dino und TeamDino ist ein gutes Beispiel dafür, wie Integration klappen kann. Über Persönlichkeit, direktes Engagement. Davon gibt es in Angermund einige Leute – manche organisieren sich http://www.fluechtlingshilfe-angermund.de/news/8/5/109/die-schnelle-michele-und-das-logistik-team" target="_blank">direkt in der Flüchtlingshilfe, manche ziehen mit, wenn sich der richtige Moment ergibt. Und bleiben dann dran – wie Dino eben, über den man übrigens immer positiv spricht, egal wo ich frage. „Er hat stets ein nettes Wort für alle“, sagt mir zum Beispiel Helene, eine seiner Kundinnen. Wir treffen uns oft morgens oft an der Anger, wenn sie dort an der großen Wiese ihren Hund ausführt und ich zur Kita in die Angeraue flitze. Auch die dortige Leiterin der städtischen Einrichtung, Babette de Fries, ist voll des Lobes: „Er ist immer verbindlich und freundlich zu jedem, vor allem auch zu unseren Kindern.“

Mein Eindruck ist: Dino und Hasib haben sich gut gefunden. Im Interview verrät Dino mir noch, was sonst für ihn wichtig ist...

Wo bist Du geboren, wie aufgewachsen?

„Ich bin in Srebrenica geboren und aufgewachsen, bis ich nach Deutschland flüchten konnte.“

Was gefällt Dir in Angermund am besten?

„Der Dorfcharakter.“

Was machst Du am liebsten (Hobbies)?

„Basketball. In Oberkassel habe ich bis 2010 die http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/sport/capone-u16-feiert-meisterschaft-aid-1.1133264%20" target="_blank">U16 trainiert, wir wurden 3x Meister!“

Was hast Du gelernt?

„Elektrotechnik. Danach folgten diverse Jobs. Bei KAMPS bin ich seit 17 Jahren.“

Wo liegen Deine Stärken, was kannst Du besonders gut?

„Papa zu sein.“

Was wünschst Du Dir am allermeisten?

„Gesundheit und Frieden. Und irgendwann auch wieder nach Hause gehen zu können ...“

Was macht Dich richtig traurig?

„Dass ich meine Mama in Sarajevo nicht häufiger sehen kann. Nur etwa 2x im Jahr kommen meine Frau und ich in unsere alte Heimat.“

Wenn Du frei entscheiden könntest, was würdest Du in puncto Integration anders machen, was wie verändern?

„Ich wünsche mir, dass die Menschen mehr nachdenken, bevor sie sich eine Meinung bilden. Sich mehr Fein- und Fingerspitzengefühl bilden. Keiner der Flüchtlinge, die heute hier sind, sind gekommen weil sie das wirklich ohne Druck wollten. Sondern weil sie es in erster Linie mussten.“

Text: Elke Tonscheidt


Zurück Druckoptimierte Version Diesen Artikel weiterempfehlen... Druckoptimierte Version
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail