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Portraits von ehrenamtlichen Helfern und Flüchtlingen

Das Thema Flüchtlinge bewegt viele. Doch wer sind die eherenamtlichen Helfer und was für Schicklsalsschläge habe die Flüchtlinge erlebt? Lesen Sie hier einige Beispiele, die wir in loser Folge veröffentlichen.

   

Annette: Mit Kultur emotionale Beziehungen aufbauen
17.12.2016 06:01 (2420 x gelesen)


GartenbankBesucht man Annette Florin, bleibt man oft an ihrer Vorgartenbank hängen. „Kürzlich hat sich auch unsere Briefträgerin zu ihm gesetzt“, schmunzelt die Rheinländerin, während wir auf ihren kleinen Vierbeiner schauen, der die Bank mal wieder für ein Sonnenbad nutzt. So viel Muße, vermute ich, hätte Frauchen bisweilen auch gern. Hatten wir uns zuvor doch darüber unterhalten, wie gut strukturiert ihre Tage sein müssen, um Familie, Jobs und Ehrenämter unter einen Hut zu bringen. Und auf die Frage, wie man das, was sie fast rund um die Uhr macht, eigentlich zusammenfassend bezeichnen könne, antwortet Annette Florin nur: „Das ist wirklich ganz schwer.“

Konzentrieren wir uns also auf das, was leichter zu beschreiben ist: Das, was die 1964 in Hilden geborene Mutter von vier Kindern in der Angermunder Flüchtlingshilfe macht: Sie leitet das Team Kultur, kümmert sich – gemeinsam mit 6 „sehr aktiven und wunderbaren“ Kollegen – um „Integration auf Augenhöhe“. So bezeichnet Annette Florin, die in Kalkum aufgewachsen und in Münster studiert hat, das gemeinsame Kreativsein mit Flüchtlingen.

Handwerker-Werkstatt: Wer macht mit?

Das kann in Theater- oder Musik-Workshops stattfinden oder nachmittags in der Bücherei, wenn zusammen gelesen wird. In der katholischen Kirche wurde sogar ein extra Raum eingerichtet, um gemeinsam zu handwerken, berichtet sie. Was einerseits richtig stark ist, andererseits schade: Denn nun gibt es diese Werkstatt, aber sie wird derzeit nicht ausreichend genutzt. Ich stutze: „Warum denn?“ „Weil wir“, erklärt Annette, „dringend jemanden suchen, der hier mit Flüchtlingen arbeiten möchte.“ Wer also handwerklich geschickt ist und Ideen hat, findet hier viel Raum für ehrenamtliches Engagement!

Team KulturDas Kultur-Team hat sich spontan gefunden. Ludwig Perpeet hatte bei einer der ersten großen Sitzungen der Flüchtlingshilfe Angermund angeboten Musik zu machen – da war das Team Kultur geboren, erinnert sich Annette. Andere Kultur-Interessierte fanden sich schnell. Annette Florin ist überzeugt: „Zusammen kreativ zu sein ist eine wunderbare Möglichkeit, sich mit anderen Kulturen zu verständigen.“ Denn immer, betont sie, gehe es um den Aufbau emotionaler Beziehungen. Und sie unterstreicht: „Weil das für Integration am förderlichsten ist.“

Bei nicht nur einer Tasse Tee inmitten Annettes gemütlichem Esszimmer erfahre ich weiter:

Was gefällt Dir in Angermund besonders?

Die Spaziergänge an der Anger und die Baggerlöcher im Winter. Und dass die Menschen hier so zufrieden-freundlich sind.

Was machst Du am liebsten (Hobbies)?

Theaterspielen oder im Publikum erleben und Musik machen (ich spiele Querflöte) und hören.

Was hast Du gelernt (Ausbildung)?

Ich bin bei meinem Studium in Münster zweigleisig gefahren und habe neben meinem Magisterexamen (Germanistik, Philosophie und katholische Theologie) noch eine Ausbildung zur Sprecherzieherin gemacht. Nach einer langen Familienphase ermöglichte mir diese Kombination, als freie Hörfunkjournalistin für die katholische Kirche zu arbeiten. Seit 2015 bin ich zudem in einer Praxisgemeinschaft als philosophisch-psychologische Beraterin tätig und mache derzeit eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Wo liegen Deine Stärken, was kannst Du besonders gut?

Ich fühle mich als gute Netzwerkerin und ich mag Menschen und ihre Geschichten. Ich kann sehr gut organisieren und strukturieren, was mir bei meinen vielen Aktivitäten zu Gute kommt.

Was wünschst Du Dir am allermeisten, was macht Dich richtig traurig?

Ich wünsche mir sehr, dass sich die Weltbevölkerung als EIN System empfindet. Dass wir begreifen, dass unser Verhalten hier direkte Auswirkungen weltweit hat. Sei es durch Kaufgewohnheiten oder Umweltschutz. Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen in andere hineinfühlen können. Und zwar in den Nächsten, aber auch in den Menschen weit weg. Dass wir heute immer weniger ‚echte’ Kontakte haben, weil so viel virtuell läuft, macht mir Sorgen. Denn nur so kann man das lernen.

Wenn Du frei entscheiden könntest, was würdest Du in puncto Integration anders machen, was wie verändern?

Wir müssen Flüchtlinge, vor allem die jungen Männer, schneller beschäftigen. Sie in den Arbeitsmarkt rein bringen. Würden Flüchtlinge direkt als Familien kommen, würde die nachbarschaftliche Eingliederung einfacher gehen, weil Frauen und Kinder sehr integrationswillig sind. Sie sind die kommunikativeren, was das Miteinander sehr fördert. Ich würde dafür sorgen, dass die Frauen schneller zu ihren Männern kommen dürfen – ich weiß, es wären dann mehr, aber Paare oder Familien integrieren sich meiner Erfahrung nach besser.

Text: Elke Tonscheidt


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